Das Massaker von Tracunhaém

oder wie eine schöne Frau den Kurs der Geschichte für immer veränderte

Die Portugiesen sind am 22. April 1500 in Brasilien angekommen. Das Land an der Küste wurde in Capitanias (etwas wie Staaten) geteilt und jede Capitania hatte einen Herrscher. Noch gab es die königliche Capitania von Paraíba nicht, die Region war ein Teil der Capitania von Itamaracá.

 

Ein halb-weiß/halb-indianischer Abenteurer ist auf ein Dorf des Stammes der Potiguara gestoßen und wurde herzlich aufgenommen, weswegen er sich dafür entschieden hat, eine Weile zu bleiben. Dort hat er die Tochter des Häuptlings kennengelernt, die bildhübsche Iratembé (Honiglippen) und hat sich Hals über Kopf in sie verliebt.

 

Der Häuptling hat ihm die Erlaubnis gegeben, seine Tochter zu heiraten, unter der Bedingung, dass er für immer im Dorf bleibt. Die Potiguara waren Alliierte der französischen Korsaren, die illegale Geschäfte mit den Ureinwohnern machten und Brasilholz nach Europa schmuggelten.

Détail van de kaart: Præfecturæ de Paraiba, et Rio Grande (Engenho na Paraíba 1645.)
Détail van de kaart: Præfecturæ de Paraiba, et Rio Grande (Engenho na Paraíba 1645.)

Wie erwartet war der Abenteurer unfähig, lange auf der gleichen Stelle zu bleiben, weswegen er mit seiner Frau im Schlepptau die erste Gelegenheit ( die Abwesenheit des Häuptlings) zur Flucht nutzte.

 

Als der Häuptling zurückkam und ihm auffiel, dass seine Tochter entführt wurde, beauftragte er seine beiden Söhne damit, zu den lokalen Autoritäten zu gehen, um seine Tochter zurück zu holen. Zufälligerweise befand sich der Gouverneur von Rio de Janeiro vor Ort und hat zur Ordnung gerufen, in dem er die Rettung der indianischen Prinzessin befahl. Er hat sogar ihre beiden Brüder mit Proviant für die Rückreise versorgt.

 

Auf dem Weg zurück zum Dorf haben die beiden Söhne und die Tochter des Häuptlings eine Pause eingelegt, um auf dem Landgut von Diogo Dias, im Tracunhaém Tal, zu übernachten. Für Diogo Dias war es Liebe auf den ersten Blick, er konnte der Schönheit von Iratembé nicht widerstehen und hat sie mitten in der Nacht entführt.

 

Am Morgen danach kehrten die zwei wütenden Brüder zurück zu ihrem Dorf und erzählten ihrem Vater, was geschehen war. Der Häuptling befahl 2000 Kriegern Diogo Dias Landgut bis auf die Grundmauer nieder zu brennen. Historiker argumentieren, dass die Potiguara andauernd von den Franzosen gegen die Portugiesen aufgehetzt wurden, was vielleicht bei den tragischen Folgen eine Rolle gespielt hat.

 

Über 600 Menschen wurden bei dem Massaker umgebracht: Männer, Frauen, Kinder... die Krieger haben sogar die Tiere getötet. Alle Gebäude und die gesamte Ernte wurden niedergebrannt. Man erzählt, dass die Indianer die Köpfe aller Einwohner auf dem Zaun um das Landgut aufgespießt haben.

 

Dieses tödliche Ereignis hat die portugiesische Krone geschockt, die ab diesem Zeitpunkt die Drohungen der Ureinwohner und der Franzosen ernster genommen hat. Die Capitania von Itamaracá wurde abgeschafft und die Königliche Capitania von Paraíba gegründet. Diese neue Capitania sollte ab sofort durch Portugal besiedelt und geschützt werden.

 

Das Massaker von Tracunhaém zeigte dem König von Portugal, wie mächtig die Ureinwohner eigentlich waren und seine Antwort darauf hat den Kurs der Geschichte Brasiliens geändert.