Der Umzug kommt...

Ich vermute Brasilien wird meistens mit Karneval verbunden. Der in Rio ist wahrscheinlich der berühmteste weltweit, aber wussten Sie, dass Karneval in Brasilien auch auf andere Weise gefeiert wird?

Bild von Smallest Forest
Bild von Smallest Forest

In João Pessoa ist Karneval ein kostenloses Straßenfest, jeder kann mitmachen. Die bekanntesten Umzüge sind Muriçocas do Miramar (die Mücken von Miramar), Cafuçu* und Virgens de Tambaú (die Unschuldigen von Tambaú).

 

Miramar und Tambaú sind die Stadtviertel in João Pessoa, in denen diese Umzüge starten. Der Cafuçu findet in der Innenstadt statt.

Muriçocas feiern eine Woche vor Aschermittwoch, sie nennen es deswegen „Feuermittwoch“. Dieser Umzug zieht Millionen Menschen durch die Hauptallee der Stadt Richtung Strand.

 

Manche Menschen tragen Kostüme, manche nicht. Andere tragen das offizielle T-Shirt von Muriçocas, die Hauptsache ist, das alle gemeinsam feiern. Die Leute feiern und tanzen zu der Musik von lokalen Künstlern. Da der Umzug an einem Mittwoch stattfindet, müssen viele Menschen noch für den Rest der Woche arbeiten gehen und falls sie einen Kater haben, hören sie bestimmt den Kommentar „es sieht so aus als hätten DIE Mücken dich gestochen.“

Zwei Tage nach den Mücken ziehen die Cafuçus durch die Innenstadt, es ist großartig! Die Menschen ziehen sich so schlecht wie möglich an, manche übermalen ihre Zähne mit schwarzer Farbe, andere tragen falsche Bierbäuche, manche Frauen tragen Lockenwickler auf dem Kopf, es gibt Männer, die sich sogar einen lächerlichen Bart extra für den Umzug wachsen lassen, sie alle feiern unter dem Motto „so schlecht und lächerlich aussehen, wie es geht“, und es gelingt ihnen!

 

João Pessoas Innenstadt ist überfüllt mit schlecht gekleideten Menschen, die einen großen Spaß daran haben. Die Bilder am Tag danach sind ein Genuss.

 

Die Unschuldigen von Tambaú feiern am Sonntag. Zu diesem Umzug verkleiden sich die Männer als Frauen und die Frauen als Männer, aber nicht unbedingt auf eine geschickte Art und Weise, man muss lustig aussehen, z.B. trägt ein Mann einen Minirock, falls er stark behaarte Beine hat, um sie zu betonen. Die Kostüme sind denen von Cafuçu hier sehr ähnlich, nur die Geschlechter werden vertauscht.

 

Es gibt auch andere Umzüge, diese sind nur die drei bekanntesten. Das Besondere am Karneval in João Pessoa ist, dass die Menschen die zentrale Rolle spielen, im Gegensatz zu dem in Rio oder Mardi Gras, wo große Straßenwagen im Mittelpunkt stehen. Es gibt keine Tribünen für Zuschauer, alle sind Teilnehmer und Zuschauer gleichzeitig. Es handelt sich um ein Fest, bei dem Reiche und Arme zusammen feiern, es ist der reine Karneval.

 

*Cafuçu = ein schlecht bekleideter Mensch, dessen Kleidungsstücke nicht zusammen passen und der keinen Wert auf sein Aussehen legt.